Diagnostik
Am Anfang steht meist ein Zufallsbefund im Ultraschall. Die genaue Beurteilung erfolgt mit Computertomographie (CT) oder MRT mit Kontrastmittel; sie zeigt, ob der Tumor auf die Niere begrenzt ist oder bereits Metastasen gebildet hat.
- Eine Biopsie kann bei kleinen oder unklaren Befunden sinnvoll sein, vor allem wenn eine Überwachung oder Ablation geplant ist, sowie bei Metastasen vor einer Systemtherapie.
- Nicht jeder kleine Nierentumor ist bösartig oder aggressiv – ein Teil ist gutartig oder wächst sehr langsam.
- Bei jungem Alter, mehreren Tumoren oder familiärer Häufung wird eine genetische Beratung empfohlen (z. B. Von-Hippel-Lindau-Syndrom).
Lokalisierte Erkrankung
Solange der Tumor auf die Niere begrenzt ist, ist die Operation die bevorzugte Therapie.
Nierenteilresektion
Es wird nur der Tumor entfernt, der Rest der Niere bleibt erhalten. Das schützt langfristig Nierenfunktion und Herz-Kreislauf-System. Mit Laparoskopie und Roboter-Technologie gelingt dies über kleine Schnitte, mit weniger Schmerzen und schneller Genesung.
Radikale Nephrektomie
Bei großen oder zentral gelegenen Tumoren, oder wenn eine Teilresektion technisch nicht sicher möglich ist, wird die gesamte Niere entfernt. Tumorausläufer in die große Körpervene erfordern eine interdisziplinäre Planung.
Aktive Überwachung und Ablation
Kleine Tumoren (bis etwa 4 cm) können bei älteren Patienten oder erhöhtem OP-Risiko engmaschig kontrolliert oder durch thermische Verfahren (Kryo, Radiofrequenz, Mikrowelle) behandelt werden. In ausgewählten Fällen kommt auch eine stereotaktische Bestrahlung in Frage.
Nachsorge und adjuvante Therapie
Die Nachsorge richtet sich nach dem Rückfallrisiko. Bei hohem Rückfallrisiko kann nach der Operation eine adjuvante Immuntherapie (Pembrolizumab) erwogen werden; Nutzen und Nebenwirkungen werden individuell abgewogen.
Metastasiertes Nierenzellkarzinom
Wenn bereits Metastasen vorliegen, ist eine Operation allein oft nicht ausreichend. Die medikamentöse Therapie hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und bietet vielen Patienten langfristige Krankheitskontrolle.
- Erstlinie: Immun-basierte Kombinationen sind heute Standard, z. B. Nivolumab plus Ipilimumab, Pembrolizumab plus Axitinib oder Lenvatinib, Nivolumab plus Cabozantinib. Die Auswahl richtet sich nach dem Risikoprofil (IMDC) und nach Begleiterkrankungen.
- Spätere Linien: Tyrosinkinaseinhibitoren (z. B. Cabozantinib) und der HIF-2α-Inhibitor Belzutifan.
- Bei wenigen Metastasen können lokale Maßnahmen (Operation, stereotaktische Bestrahlung) die systemische Therapie sinnvoll ergänzen; eine zytoreduktive Nephrektomie wird nur noch selektiv durchgeführt.
- Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Hand-Fuß-Syndrom oder immunvermittelte Reaktionen werden früh und interdisziplinär behandelt.
Häufige Fragen zu Nierenkrebs
Mein Nierentumor wurde zufällig entdeckt. Ist das gefährlich?
Muss bei Nierenkrebs die ganze Niere entfernt werden?
Kann man mit nur einer Niere normal leben?
Wie wird Nierenkrebs behandelt, wenn bereits Metastasen vorliegen?
Stand: Oktober 2026. Allgemeine Patienteninformation – sie ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Am zertifizierten Uro-onkologischen Krebszentrum werden Entscheidungen bei jeder Erstdiagnose, jedem Rezidiv und jeder neu aufgetretenen Metastasierung der Krebserkrankung verpflichtend in interdisziplinären Tumorkonferenzen besprochen.