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Prostatakrebs (Prostatakarzinom): Diagnose und Therapie in Linz

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Bei früher Erkennung und individuell abgestimmter Behandlung ist die Prognose sehr gut. Entscheidend ist, relevante Tumoren zuverlässig zu erkennen, ohne harmlose Befunde zu überbehandeln.

Früherkennung und Abklärung

Ein erhöhter PSA-Wert ist kein Beweis für Krebs, aber ein Anlass für eine gezielte Abklärung. Die Früherkennung wird heute risikoadaptiert geplant – abhängig von Alter, Familiengeschichte, genetischen Risiken (z. B. BRCA2) und dem bisherigen PSA-Verlauf.

  • MRT der Prostata vor der Biopsie: Nur bei auffälligem Befund wird gezielt biopsiert. Das erkennt relevante Tumoren besser und vermeidet unnötige Eingriffe.
  • Gezielte Fusionsbiopsie, bei Bedarf mit systematischen Entnahmen ergänzt.

Ausbreitungsdiagnostik mit PSMA-PET/CT

Bei mittlerem und hohem Risiko sowie bei erneutem PSA-Anstieg nach Behandlung kann die PSMA-PET/CT Lymphknoten- und Fernmetastasen deutlich genauer darstellen als CT und Knochenszintigraphie. Das Ergebnis beeinflusst die Wahl zwischen Operation, Bestrahlung und Systemtherapie und wird in der interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen.

Lokalisiertes Prostatakarzinom – die Optionen

Die richtige Behandlung hängt vom Risikoprofil des Tumors, vom Alter, von Begleiterkrankungen und von Ihren Prioritäten ab. Wir besprechen Vor- und Nachteile offen und treffen die Entscheidung gemeinsam.

Aktive Überwachung

Bei niedrigem (in ausgewählten Fällen günstig mittlerem) Risiko wird zunächst nicht behandelt, sondern engmaschig kontrolliert (PSA, MRT, gezielte Re-Biopsie). Die ProtecT-Studie zeigte nach 15 Jahren vergleichbare Überlebensraten bei Überwachung, Operation und Bestrahlung; bei Überwachung schreitet die Erkrankung allerdings häufiger fort. Bei Progression wird auf eine Behandlung mit Heilungsabsicht gewechselt.

Roboter-assistierte radikale Prostatektomie

Die Prostata wird mit dem DaVinci-System minimalinvasiv entfernt, wenn möglich nervschonend. Ziele sind Tumorkontrolle, Harnkontinenz und Erhalt der Erektionsfähigkeit. Bei erhöhtem Risiko wird eine Lymphknotenentfernung im Becken ergänzt.

Strahlentherapie

Perkutane Bestrahlung (heute meist in weniger Sitzungen) oder Brachytherapie, je nach Risiko kombiniert mit einer zeitlich begrenzten Hormontherapie. Gleichwertige Alternative zur Operation bei geeigneten Patienten.

Fokale Therapie

Bei einem gut abgrenzbaren, MRT-sichtbaren Tumor kann in ausgewählten Fällen nur der Tumorbereich behandelt werden (z. B. HIFU, Kryotherapie). Die Langzeitdaten sind begrenzter als bei Operation und Bestrahlung, die Methode wird daher nur nach sorgfältiger Auswahl und Aufklärung eingesetzt. Zur Auswahl geeigneter Kandidaten liegt eine eigene Multicenter-Arbeit vor (Eur Urol Focus 2020).

Funktionserhalt, Rehabilitation und Nachsorge

  • Beckenbodentraining vor und nach der Operation fördert die Wiedererlangung der Kontinenz.
  • Nervschonende Technik und gezielte Rehabilitation (inklusive medikamentöser und apparativer Unterstützung) verbessern die Chancen auf Erhalt der Sexualfunktion.
  • Nachsorge mit regelmäßigen PSA-Kontrollen; bei Anstieg erfolgt eine gezielte Abklärung, häufig mit PSMA-PET/CT.

Fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom

Die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie haben sich in den letzten Jahren stark erweitert. Die Auswahl erfolgt individuell, anhand von Tumorlast, Vorbehandlung, Begleiterkrankungen und Molekulardiagnostik.

Hormonsensitive Erkrankung

Basis ist der Androgenentzug. Heute wird er in der Regel intensiviert: durch ein modernes Antihormon (z. B. Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid, Darolutamid), bei hoher Tumorlast zusätzlich durch Docetaxel. Bei wenigen Metastasen können Metastasen- und Prostata-gerichtete Maßnahmen (z. B. stereotaktische Bestrahlung) in ausgewählten Fällen sinnvoll sein.

Kastrationsresistente Erkrankung und Molekulardiagnostik

Bei Fortschreiten werden Tumorgewebe und gegebenenfalls Blut auf Veränderungen der DNA-Reparatur untersucht (z. B. BRCA1/2). Bei passenden Mutationen stehen PARP-Inhibitoren (z. B. Olaparib), teils in Kombination mit Antihormonen, zur Verfügung. Eine Keimbahntestung wird bei familiärer Häufung empfohlen.

PSMA-Radioligandentherapie

Bei ausreichender PSMA-Aufnahme in der PET kann eine zielgerichtete Radioligandentherapie (177Lu-PSMA) nach Vorbehandlung mit Antihormon und gegebenenfalls Taxan eingesetzt werden.

Weitere Optionen und Begleitung

Taxan-Chemotherapie (Docetaxel, Cabazitaxel), Radium-223 bei Knochenmetastasen, Knochenschutz (Denosumab/Zoledronat), Schmerz- und supportive Therapie sowie die Teilnahme an klinischen Studien.

Lebensstil

Regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung sind günstig für Herz-Kreislauf-Gesundheit und werden in Studien auch mit einem geringeren Risiko für das Fortschreiten von Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Sie ersetzen keine Behandlung, ergänzen sie aber sinnvoll. Mehr dazu im Blog.

Eigene Arbeiten

Neueste Publikation (European Journal of Cancer, 2026): „Explainable artificial intelligence in prostate cancer treatment recommendation: A decision support system for oncological expert panels“. Prof. Höfner war Ideengeber dieser Arbeit.

  • Ausgangspunkt: In der interdisziplinären Tumorkonferenz müssen viele Befunde (Stadium, PSA, Bildgebung, Pathologie, Begleiterkrankungen, Patientenwunsch) zu einer Empfehlung zusammengeführt werden. Ein KI-gestütztes Assistenzsystem soll dieses Gremium unterstützen, nicht ersetzen.
  • Methode: Das System wurde mit anonymisierten Daten aus mehreren Tausend Fällen früherer Tumorkonferenzen (2015–2022; rund 5.500 Fälle mit 76 Eingangsgrößen) trainiert. Es schlägt in zwei Schritten zuerst eine Behandlungskategorie (z. B. Operation oder Bestrahlung) und dann die konkrete Therapie (z. B. Prostatektomie oder PSMA-Radioligandentherapie) vor.
  • Erklärbarkeit: Zu jedem Vorschlag zeigt das System, welche Befunde die Empfehlung am stärksten beeinflusst haben. So können Ärztinnen und Ärzte den Vorschlag nachvollziehen, prüfen und bei Bedarf bewusst davon abweichen.
  • Ergebnis: Die Vorschläge stimmten mit den früheren Empfehlungen der Tumorkonferenz sehr gut überein (z. B. F1-Wert 0,89 für „Operation“ und 0,81 für „Strahlentherapie“; bis 0,99 bei einzelnen konkreten Therapien).
  • Bedeutung: Die endgültige Entscheidung treffen immer Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit Ihnen. Die KI soll helfen, Entscheidungen einheitlicher und besser begründet zu treffen.

Leitlinien und Qualität

Unsere Empfehlungen orientieren sich an der S3-Leitlinie Prostatakarzinom und den Leitlinien der European Association of Urology. Prof. Höfner ist an der Aktualisierung der S3-Leitlinie beteiligt (Mandat der DGU). Die Abteilung war das erste zertifizierte Prostatakarzinomzentrum in Oberösterreich.

Häufige Fragen zu Prostatakrebs

Ab wann sollte ich zur Früherkennung von Prostatakrebs gehen?
Eine Früherkennung wird in der Regel ab etwa 50 Jahren besprochen, bei Prostatakrebs in der Familie oder bekannten Genveränderungen (z. B. BRCA2) früher. Ob und wie oft ein PSA-Test sinnvoll ist, hängt von Alter, Risiko und Ihren Wünschen ab; wir besprechen das in einem persönlichen Gespräch.
Bedeutet ein erhöhter PSA-Wert, dass ich Prostatakrebs habe?
Nein. Der PSA-Wert kann auch durch eine gutartige Vergrößerung, Entzündung oder andere Ursachen erhöht sein. Ein auffälliger Wert ist ein Anlass zur gezielten Abklärung, zum Beispiel mit einer MRT der Prostata, bevor eine Biopsie erwogen wird.
Muss jeder Prostatakrebs sofort operiert oder bestrahlt werden?
Nein. Bei niedrigem Risiko kann eine aktive Überwachung sinnvoll sein: Der Tumor wird engmaschig kontrolliert und erst bei Fortschreiten behandelt. Bei anderen Befunden stehen Operation, Bestrahlung oder weitere Verfahren zur Verfügung. Die Wahl richtet sich nach Tumor, Alter, Begleiterkrankungen und Ihren Prioritäten.
Wie läuft eine roboter-assistierte Prostataentfernung ab, und was sind die Risiken?
Die Prostata wird über kleine Zugänge mit dem da Vinci-System entfernt, gesteuert vom Operateur; wenn möglich nervschonend. Wie bei jedem Eingriff bestehen Risiken, etwa Blutung, Infektion sowie vorübergehende oder bleibende Inkontinenz und Erektionsstörungen. Beckenbodentraining und Rehabilitation unterstützen die Erholung. Alles wird vorab offen besprochen.
Was ist eine PSMA-PET/CT, und wann ist sie sinnvoll?
Die PSMA-PET/CT ist eine Untersuchung, die Prostatakrebszellen im ganzen Körper besonders genau sichtbar machen kann. Sie wird vor allem bei mittlerem und hohem Risiko sowie bei erneutem PSA-Anstieg nach einer Behandlung eingesetzt und beeinflusst die Therapiewahl.

Alle häufigen Fragen ansehen

Stand: Oktober 2026. Allgemeine Patienteninformation – sie ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Am zertifizierten Uro-onkologischen Krebszentrum werden Entscheidungen bei jeder Erstdiagnose, jedem Rezidiv und jeder neu aufgetretenen Metastasierung der Krebserkrankung verpflichtend in interdisziplinären Tumorkonferenzen besprochen.